ZUM BUCH

 

Familiengottesdienste so zu feiern, dass Texte und Gestaltungselemente für Kinder verständlich und ansprechend sind, ohne die Erwachsenen zu langweilen oder zu Zuschauern zu degradieren, ist eine hohe Kunst. Eine besondere Herausforderung sind die Predigten. Als Exeget mit langjähriger Erfahrung in Erwachsenenbildung und Gemeindekatechese erklärt der Autor Kindern und Erwachsenen die biblischen Texte und formuliert passende Einführungen, Kyrierufe, Gebete und Fürbitten.

Der Band enthält über 50 Gottesdienstmodelle für ausgewählte Sonntage in allen drei Lesejahren. Darüber hinaus werden auch Modelle für die Feier der Erstkommunion, inklusive Vorstellungsgottesdienst und Dankandacht geboten.

 

 

ZUM AUTOR

 

Thomas Hieke, Dr. theol. geb. 1968, Professor für Altes Testament an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

THOMAS HIEKE

 

 

Von Gott erzählen

 

Familiengottesdienste mit Predigten für Kinder

 

 

 

 

 

 

 

 

VERLAG FRIEDRICH PUSTET
REGENSBURG

IMPRESSUM

 

 

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

 

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

eISBN 978-3-7917-6026-1 (epub)

© 2014 by Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Umschlaggestaltung: Atelier Seidel, Neuötting

Satz: MedienBüro Monika Fuchs, Hildesheim

eBook-Produktion: Friedrich Pustet, Regensburg

 

Diese Publikationen ist auch als Printprodukt erhältlich:

ISBN 978-3-7917-2578-9

 

Weitere Publikationen aus unserem Programm finden Sie auf

www.verlag-pustet.de oder www.liturgie-konkret.de

 

Kontakt und Bestellung: verlag@pustet.de

VORWORT

 

 

Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.

Wie sollen sie nun den anrufen, an den sie nicht glauben?

Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben?

Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündigt?

Wie soll aber jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist?

Darum heißt es in der Schrift:

Wie sind die Freudenboten willkommen, die Gutes verkündigen!

 

Verkündigung tut not! Paulus sagt es uns im Römerbrief (10,13–15) eindringlich und verwendet dabei gleich zwei Zitate aus dem Alten Testament (Joël 3,5 und Jes 52,7). Den Fragen des Paulus möchte man hinzufügen: Wie kann man verkündigen, wenn die Schrifttexte schwer verständlich sind, wenn die Zeit zur Vorbereitung knapp ist, wenn die Zielgruppe besondere Bemühungen erfordert? Gerade wenn Familien mit Kindern und Jugendlichen am Gemeindegottesdienst teilnehmen, wünscht man sich Texte und Predigten, die für diese Zuhörerschaft sensibel ist.

Vielleicht helfen Vorlagen als Ideengeber weiter … dafür ist dieses Büchlein gedacht. Man kann mit ihnen Wort-Gottes-Feiern und Familiengottesdienste mit Eucharistiefeier gestalten; einiges kann direkt übernommen werden, manches bedarf der Anpassung und Umformung durch die verkündigende Person. Worauf es ankommt, sagt Paulus deutlich: Gutes zu verkündigen! Daher muss kein Prediger, keine Predigerin Bedenken dabei haben, eine Vorlage zu verwenden – die Inspiration zu einer gelingenden, geistvollen Verkündigung kann auch aus einer „Predigthilfe“ kommen.

Die in diesem Buch zu den Lesejahren A, B und C zusammengestellten Auslegungen des Alten und Neuen Testaments für Kinder (und manchmal auch für Erwachsene) sind in den Jahren 2005 bis 2011 entstanden. Ich habe sie im Gottesdienst meiner Pfarrgemeinde zu Gehör gebracht. Damit sind sie „praxiserprobt“. Leider ist die Gattung „Predigt“ immer noch eine Einbahnstraße, so dass unmittelbare Rückmeldungen während oder nach dem Gottesdienst selten sind. Vorher jedoch habe ich die Entwürfe immer mit Frau Rita Schatz, der Leiterin des Kinder- und Jugendchores, die erfahrene Grundschulpädagogin ist, abgestimmt. Ihr und Frau Sabine Hofmann danke ich herzlich für die gute Zusammenarbeit.

Vom Entwurf für einen konkreten Gottesdienst in einer bestimmten (Jahres-)Zeit über die tatsächliche Darbietung hin zu einer Sammlung von Predigtvorschlägen liegt ein Wechsel in der Gattung vor. Daher habe ich z. B. konkrete Anreden (außer bei Fragevorschlägen), vor allem am Anfang, weggelassen. Wer sich den einen oder anderen Text zu eigen machen will, möge die angemessene Anrede an die jeweilige Zielgruppe ergänzen.

Neben die reine „Schriftauslegung“ habe ich meist auch weitere Gottesdienstelemente hinzugefügt: Einführungen, Kyrierufe, Fürbitten. Auch die Schrifttexte werden hier mit abgedruckt. Das hat mehrere Gründe: Bisweilen ist die „Perikopierung“, also die Auswahl der Abschnitte und vor allem die Kürzung mancher Texte, in der Leseordnung sehr zu hinterfragen, so dass bestimmte Verse über den Text im Lektionar hinaus ergänzt werden. Darüber hinaus musste die Übersetzung an einigen Stellen angepasst werden, sei es, dass die generell zugrunde liegende Einheitsübersetzung zu korrigieren war, sei es, dass mancher Satz kindgerechter (und doch richtig) formuliert werden konnte. Wer die Auslegungen nicht im Gottesdienst verwenden will, sondern nur einfach so lesen möchte, wird dankbar sein, den Schrifttext gleich zur Hand zu haben.

Thomas Hieke

 

 

 

LESEJAHR A

1. ADVENTSSONNTAG A

SCHWERTER ZU PFLUGSCHAREN

Jes 2,1–5; Mt 24,37–44

Einführung

Wir feiern wieder Advent. Heute ist der erste der vier Sonntage. Advent heißt „Ankunft“ – wir wollen uns vorbereiten, dass Jesus bei uns ankommen kann. Nicht immer machen wir ihm die Tür auf – manchmal sind wir sehr mit uns selbst beschäftigt, oder wir streiten, so dass kein Platz ist für Jesus, der den Frieden auf Erden bringen will.

Kyrie-Rufe

Herr Jesus, du kommst in unsere Welt – wir warten auf dich.

Herr Jesus, du bringst den Frieden – wir hoffen auf dich.

Herr Jesus, du rufst uns aus unserem Alltag – wir wollen für dich bereit sein.

Gebet

Herr, unser Gott, alles liegt in deinen Händen. Was immer wir tun können, du schenkst uns die Kraft dazu. Hilf uns, dass wir uns um Gerechtigkeit und Frieden bemühen, damit wir Jesus Christus entgegengehen und uns durch Liebe und gute Taten auf seine Ankunft vorbereiten. Dann hoffen wir, dass wir einen guten Platz in deinem Reich erhalten werden. Wir erbitten dies durch Jesus Christus, unseren Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Hinführung zur Lesung

1991 singt Michael Jackson das Lied „Heal the World“ – Heilt die Welt, macht sie zu einem lebenswerteren Ort. In diesem Lied, das recht erfolgreich und bekannt war, spricht Michael Jackson von der Hoffnung auf eine bessere Welt für alle Menschen, ohne Hunger, ohne Krieg – mit Nahrung, Kleidung, Bildung für alle. Schön wär’s. Michael Jackson hat sich das nicht alles ausgedacht; mindestens eine Zeile in dem Lied stammt aus der Bibel: Die Völker werden ihre „Schwerter zu Pflugscharen schmieden“. Der Satz kommt sogar zwei Mal im Alten Testament vor. Hören wir einmal die Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja. Dort steht der Satz ganz am Anfang, gleich im 2. Kapitel.

Lesung

Jes 2,1–5

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja.

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat.

2 Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker.

3 Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.

4 Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.

5 Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Auslegung

Jedes Mal, wenn ich diese Worte höre, bin ich begeistert. Hier wird eine unglaubliche Zukunft beschrieben: Alle Völker kommen in einer friedlichen Wallfahrt in Jerusalem, auf dem Berg Zion, am Tempel zusammen. Dort hören sie alle das Wort Gottes. Davon sind sie so begeistert, dass sie Pflugscharen aus ihren Schwertern machen und Winzermesser aus ihren Lanzen. Wir müssen das in unsere Sprache übersetzen: Aus Waffen werden Arbeitswerkzeuge, aus Panzern werden Traktoren, aus Raketen werden Windräder, aus Gewehren werden Skistöcke usw. Stellt euch das mal vor! Und dann heißt es da: Man übt nicht mehr für den Krieg. Der Truppenübungsplatz wird zum Naturpark mit Wanderwegen und Wildbeobachtungsplätzen! – Ist das nicht ein verrückter Gedanke, wenn wir in den Nachrichten sehen, wie viele Kriege geführt werden; wenn wir sehen, welche riesige Summen für Waffen ausgegeben werden?

Ist die Bibel hier völlig verrückt? Ich hoffe nicht. Schließlich wissen wir doch tief in unserem Herzen, dass Krieg etwas Falsches ist, dass Waffen gefährlich sind. Tief in unserem Herzen hoffen wir doch auf Frieden, sehnen uns danach, in den Nachrichten einmal nicht von Toten und Verletzten durch Bomben und Schüsse zu hören. Die Lesung aus dem Jesajabuch spricht uns doch aus dem Herzen. Aber wann und wo wird das sein?

Am Ende der Tage – und auf dem höchsten Berg. Es wird also nicht übermorgen sein und nicht in der irdischen Stadt Jerusalem, die bereits viele Kriege erlebt hat und schon oft in der Geschichte zerstört worden war. Der höchste Berg – das ist ein Bild für ein Ziel, auf das alle Menschen schauen. Und so ist es doch: Nicht nur die Juden, nicht nur die Christen, alle Menschen sollen zum Frieden finden. Die „bessere Welt“, von der Michael Jackson gesungen hat, soll doch für alle eintreffen. Wir haben hier ein gemeinsames Ziel.

„Heal the World“ – Heilt die Welt, so sang Michael Jackson, und er meinte damit die Menschen. Aber ist das nicht ein bisschen viel verlangt? Du und du und ich, wir alle sollen die Welt besser machen? Das könnte schwierig werden. Wenn wir auf unseren Bibeltext schauen, dann müssen wir nicht alles selbst schaffen. Da ist von der „Weisung des Herrn“ die Rede. Das ist das Wort Gottes, die Heilige Schrift, die Bibel. Diese Weisung Gottes bringt die Menschen dazu, ihre Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden und nicht mehr für den Krieg zu üben. Kann das gehen? Zuerst ein ganz einfacher Gedanke: Wenn alle Menschen öfter und länger in der Bibel lesen würden, hätten sie weniger Zeit für Streit und Krieg. Sodann aber finden wir doch auch wichtige Sätze in der Bibel, die die Welt besser machen könnten, wenn sich alle daran halten würden: Gerecht handeln, gut sein, treu bleiben, Gott und den Nächsten lieben. Gott hat es uns gesagt, wie wir handeln sollen. Wir vergessen das nur immer wieder (oder es stört uns).

Schwerter zu Pflugscharen – die große Hoffnung auf Frieden. Nehmen wir das in diese Adventszeit als ein Bild der Sehnsucht mit. Freuen wir uns nicht nur auf die Geschenke und die Plätzchen, sondern vielleicht auch darauf, dass Gott irgendwann einmal den Frieden Wirklichkeit werden lässt.

Schwerter zu Pflugscharen – das Bild ist aber auch eine Aufforderung, die wir in diese Adventszeit mitnehmen können. Was sind unsere „Schwerter“? Die kleinen und großen Streitigkeiten, die Eifersucht, der Neid – wie schnell sind wir alle, von den Geschwistern bis zur Schulklasse und zum Arbeitsplatz, mit Gehässigkeiten, bösen Worten und mit Gewalt dabei. Vielleicht fangen wir mal damit an, morgen oder in dieser Woche einmal nicht zurückzuschlagen, einmal auf ein böses Wort nicht mit einem noch böseren zu antworten. Schwerter zu Pflugscharen, das heißt auch, mal was ganz anderes und Verrücktes zu machen: Freundlich bleiben, auch wenn der andere Gift und Galle spuckt. Jemandem, der mich ärgert, etwas Gutes tun. Mal sehen, was passiert. Vielleicht wird ja Frieden.

Am Ende der Tage – wann wird das sein? Wir wissen es nicht, und auch Jesus hat es uns nicht gesagt. Aber Jesus sagt uns im Evangelium, dass er (der Menschensohn) zu einer völlig unerwarteten Zeit kommt. Wir sollen wachsam sein und uns bereithalten. Das heißt auch: Wir sollen immer wieder an Jesus denken, auf sein Wort hören, uns um Frieden und Gerechtigkeit mühen.

Evangelium

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Mt 24,37–44

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Wie es in den Tagen des Noach war, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

38 Wie die Menschen in den Tagen vor der Flut aßen und tranken und heirateten, bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging,

39 und nichts ahnten, bis die Flut hereinbrach und alle wegraffte, so wird es auch bei der Ankunft des Menschensohnes sein.

40 Dann wird von zwei Männern, die auf dem Feld arbeiten, einer mitgenommen und einer zurückgelassen.

41 Und von zwei Frauen, die mit derselben Mühle mahlen, wird eine mitgenommen und eine zurückgelassen.

42 Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

43 Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, würde er wach bleiben und nicht zulassen, dass man in sein Haus einbricht.

44 Darum haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Fürbitten

Jesus hat uns versprochen, dass er wiederkommen wird und dann das Reich seines Friedens anbricht. Wir wollen uns bereithalten und Jesus um Hilfe bitten:

Christus, Herr, erhöre uns.

Bei Jesus sind unsere Bitten gut aufgehoben. Er ist immer bei uns, jetzt und bis zu dem Tag, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit. Amen.

4. ADVENTSSONNTAG A

GOTT IST MIT UNS

Jes 7,10–14; Mt 1,18–24

Material

Ein leerer Bilderrahmen ohne Bild

Einführung

Nun haben wir ihn wieder hinter uns, den Advent. Bald ist Heiliger Abend. Geschafft, werden manche von den Müttern und Vätern denken. Und ihr Kinder freut euch sicher schon auf die Geschenke. Aber haben wir uns wirklich richtig auf das Fest vorbereitet? Ist nicht für viele das äußere Drumherum wichtiger als das, was wir an Weihnachten eigentlich feiern? Manchmal kommt mir das Weihnachtsfest, wie es so äußerlich gefeiert wird, wie ein Rahmen ohne Bild vor! Wir haben heute Zeit, darüber etwas nachzudenken.

Kyrie-Rufe

Herr Jesus, bald feiern wir das Fest deiner Geburt als Mensch. Kyrie eleison.

Herr Jesus, du bist die Mitte allen Feierns an Weihnachten. Christe eleison.

Herr Jesus, du lässt uns deine Nähe immer wieder spüren. Kyrie eleison.

Gebet

Guter Gott, mache unsere Herzen für das Geheimnis des Weihnachtsfestes bereit. Durch die Botschaft des Engels haben wir erkannt, dass dein Sohn, Jesus Christus, als Mensch auf diese Erde gekommen ist. Hilf uns zu einem lebendigen Glauben, damit wir stark werden durch deine Nähe. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Hinführung zur Lesung

Was machen denn die Leute so an Weihnachten? – Na, manche wollen einfach nur gut essen und auf dem Sofa ausruhen – oder lange fernsehen, manche brauchen teure Geschenke, deren Gebrauchsanleitungen man stundenlang lesen muss; modisch ist es auch, dass man zum Skifahren verreist oder dass man in ein Land mit viel Sonne fliegt. Weihnachten – ein Rahmen ohne Bild? Viele sind froh über die freie Zeit, endlich kann man tun, was einem selber Spaß macht. Viele verfolgen ihre eigenen Pläne – denkt noch jemand an Gott? Voll sind sie schon, die Kirchen an Weihnachten, das ist gut, aber müssten sie nicht noch viel voller sein? Und warum sind die Kirchen unterm Jahr so leer? Brauchen wir Gott eigentlich noch? Die Frage ist uralt. Schon mehr als 700 Jahre vor Christus gab es in Jerusalem einen König, den Ahas, der hatte seine eigenen Pläne, der brauchte Gott nicht. Er war in einer ziemlichen politischen Zwickmühle, aber er glaubte, dass er das schon alleine schaffen würde. Gott schickte den Propheten Jesaja zu König Ahas. Jesaja sollte ausrichten, dass Ahas nur fest auf Gott vertrauen sollte, dann bräuchte er sich keine Sorgen machen. Aber das war Ahas zu unsicher, er wollte selbst die Sache regeln. Und in dieser Lage spricht Jesaja ein wichtiges Wort, das bis heute gilt. Hören wir die Lesung.

Lesung

Jes 7,10–14

Lesung aus dem Buch Jesaja.

Der Herr sprach noch einmal zu Ahas; er sagte:

11 Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen, sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe.

12 Ahas antwortete: Ich will um nichts bitten und den Herrn nicht auf die Probe stellen.

13 Da sagte Jesaja: Hört her, ihr vom Haus David! Genügt es euch nicht, Menschen zu belästigen? Müsst ihr auch noch meinen Gott belästigen?

14 Darum wird euch der Herr von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.

Auslegung

Ahas macht es Gott schwer, denn er will nichts von Gottes Beistand wissen. Er meint, er weiß selber, wie er es machen soll. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Wir leben, handeln und denken doch auch oft so, als bräuchten wir Gott nicht oder gar, als gäbe es Gott nicht. Wir schaffen alles selber, von ganz alleine. Wenn Kleinkinder groß werden, sind sie stolz, wenn sie etwas „ganz alleine“ können: laufen, sich anziehen, mit Besteck essen usw. „Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine …“. Das ist schon gut, aber was ist, wenn diese Einstellung überhand nimmt? Ist es nicht schlimm, wenn sich ein Mensch nicht helfen lässt? Wenn einer meint, er kann alles ganz alleine? Wer so denkt, braucht auch keinen Gott, der braucht auch kein Weihnachten, dem reicht der Rahmen ohne Bild. Gott aber bietet uns seine Nähe und seine Hilfe an. Nicht so, dass da plötzlich ein Engel vom Himmel rauscht und alle unsere Wünsche erfüllt. Aber habt ihr das nicht auch schon erlebt, dass in schwierigen Situationen, wenn wir Angst und Sorgen und Probleme haben, sich plötzlich irgendeine Lösung anbietet, dass da einer ist, der einen guten Satz sagt, z. B. jemand von den Eltern oder den älteren Geschwistern oder ein Freund, eine Freundin. Es kommt nun drauf an, dass wir dafür auch hellhörig werden, ein offenes Ohr und ein offenes Herz haben – statt zu sagen: Nein, das brauch ich nicht, ich weiß das schon, ich kann das alleine. Manchmal sind wir doch so bockig (wie der König Ahas), und dann kann uns keiner mehr helfen – auch Gott nicht. Wenn wir also erfahren wollen, dass Gott mit uns ist, brauchen wir ein waches Herz, Aufmerksamkeit, Zeit zum Nachdenken, Freundschaft, Liebe. Dann sehen wir plötzlich die kleinen Zeichen, dass wir nicht allein sind, dass Gott bei uns ist mit seinen Engeln, die oft wie uns sehr bekannte Menschen aussehen.

Ein Mensch im Neuen Testament war besonders vorbildlich und hat die Mahnung des Propheten Jesaja gut umgesetzt: der heilige Josef. Er war schon in einer ganz schönen Zwickmühle: Da ist er mit einer Frau verlobt, die ein Kind erwartet, und er ist sicher nicht der Vater. Normalerweise müsste Josef mit Maria Schluss machen. Aber dann würde er nur seine eigenen Pläne verfolgen. Josef hat ein waches Herz, selbst wenn er schläft: Irgendwie – die Bibel sagt: im Traum – merkt er, dass er auf Gott vertrauen soll und sich auf Maria und das Kind einlassen soll. Gut, dass Josef das gemacht hat – so kann Weihnachten werden: Gott kommt uns Menschen ganz nahe in seinem Sohn, in Jesus in der Krippe. Das ist das Bild, auf das es ankommt, alles andere ist nur Rahmen. Und für uns kommt es darauf an, dass wir uns darauf einlassen, dass Gott uns helfen will, dass wir die Zeichen seiner Nähe entdecken: Wenn uns jemand hilft, wenn uns jemand lieb hat, wenn uns jemand braucht. Dann ist Gott mit uns.

Evangelium

Mt 1,18–24

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.

19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

20 Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

23 Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns.

24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Fürbitten

Gottes Sohn Jesus ist als Mensch auf diese Erde gekommen, um uns zu zeigen, wie sehr Gott alle Menschen liebt. Wie tragen ihm unsere Anliegen vor.

Treuer Gott: Wir bitten dich, erhöre uns.

Du, Gott, erfüllst unsere Sehnsucht nach Glück und Liebe. Wir brauchen dich. Wir danken dir für alle Zeichen deiner Nähe. Amen.

2. WEIHNACHTSFEIERTAG – HEILIGER STEPHANUS

VON DER KRIPPE ZUM KREUZ

Apg 6,8–10; 7,54–60; Mt 10,17–22

Einführung

Hattet ihr ein schönes Weihnachtsfest? Habt ihr viel Freude erlebt? – Oder gab es auch mal Streit? – Weihnachten ist ja keine Garantie dafür, dass immer nur Friede, Freude, Eierkuchen ist. Und wenn wir uns daran erinnern, was wir an Weihnachten aus der Bibel gehört haben, dann war da nicht alles in Ordnung! Denkt mal an die Herbergssuche: War das etwa ok, dass Maria und Josef dauernd abgewiesen wurden und in einem armseligen Stall unterkommen mussten? Und eine Futterkrippe ist eigentlich für das Vieh, nicht für ein neugeborenes Baby. Es ist zu befürchten, dass die Sache mit Jesus nicht ganz so einfach und glatt abgeht. Darüber müssen wir heute nachdenken, wenn wir das Fest des heiligen Stephanus feiern, der als der erster, der sich zu Jesus bekannt hat, für seinen Glauben getötet wurde.

Kyrie-Rufe

Jesus,

du bist der Grund unserer Freude an Weihnachten.

Jesus, du bist wahrer Mensch geworden.

Jesus, du willst, dass wir uns zu dir bekennen.

Gebet

Allmächtiger Gott, wir ehren am heutigen Fest den heiligen Stephanus als den ersten Märtyrer deiner Kirche. Gib, dass auch wir unsere Feinde lieben und so das Beispiel des heiligen Stephanus nachahmen, der für seine Verfolger gebetet hat. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Hinführung zur Lesung

Wenn wir am zweiten Weihnachtstag zum Gottesdienst kommen, dann wollen wir eigentlich noch einmal Weihnachten feiern: Es soll nachklingen, was wir am Fest der Geburt Jesu gehört und gefeiert haben. Vor allem die schönen Lieder wollen wir singen – oder haben wir davon schon die Nase voll, weil sie dauernd in den Wochen vorher gedudelt wurden?

Ich muss euch aber warnen: Das Fest des heiligen Stephanus, das wir heute feiern, ist gar nicht so kuschelig. Stephanus hat sehr früh den Glauben an Jesus Christus angenommen: Er hat noch von den Aposteln die Hände aufgelegt bekommen und war ein Diener der Kirche – griechisch nennt man das „Diakon“. Und er ist recht erfolgreich, was wiederum einer Reihe von Leuten, die die Kirche Jesu Christi verfolgt haben, gar nicht passte. Stephanus bezeugt seinen Glauben an Jesus mit seinem Leben – und wird am Ende wie Jesus selbst hingerichtet.

Lesung

Apg 6,8–10

Lesung aus der Apostelgeschichte.

Stephanus, voll Gnade und Kraft, tat Wunder und große Zeichen unter dem Volk.

9 Doch einige von der sogenannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten;

10 aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen.

Apg 7,54–60

Als sie [seine lange Predigt und sein Bekenntnis zu Jesus] hörten, waren sie aufs Äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen.

55 Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen

56 und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.

57 Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los,

58 trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.

59 So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!

60 Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.

Auslegung

Die weihnachtliche Welt scheint von einem Tag auf den anderen verändert. Wir hören von Hass und Verfolgung und schließlich vom Mord an dem Diakon Stephanus. Muss das denn sein, dass wir die Gegensätze so aufeinander prallen lassen: gefühlvolle Weihnacht mit Gedanken des Friedens und brutale Gewalt mit tödlichem Ausgang? Sind wir darauf nicht vorbereitet, haben wir damit nicht gerechnet? Wie war das denn mit unseren Vorbereitungen auf Weihnachten? Wir haben zu Hause und hier in der Kirche den Tannenbaum geschmückt und die Krippe aufgestellt. Vielleicht stehen Christbaum und Krippe manchmal genau unter dem Kreuz. Niemand von uns kommt auf die Idee, das Kreuz abzuhängen, weil es vielleicht nicht so ganz zur weihnachtlichen Stimmung passt. Als Christen haben wir schon sehr früh gelernt, dass das echte Weihnachten nicht ein Kinderspiel ist, dass es nicht nur um Schafhirten auf Betlehems Feldern geht. Weihnachten ist das Geburtsfest von Jesus – und damit der Anfang einer einzigartigen Rettungsaktion Gottes für alle Menschen. Gott will damit alle Menschen aus Not und Elend, aus Angst und Verzweiflung herausholen. Und so geht Gottes Sohn Jesus keiner Not und keiner Härte aus dem Weg. Jesus hat keine Angst vor irgendwelchen mächtigen Leuten, die die Armen terrorisieren, Jesus schweigt nicht, wenn Unrecht geschieht. Jesus kriegt Schwierigkeiten, aber er geht seinen Weg, er kneift nicht, bis er am Kreuz endet. Wenn wir einfach von Weihnachten aus weiterdenken und sehen, was aus dem Jesus-Kind geworden ist, dann merken wir, dass zur Krippe auch das Kreuz gehört.

Und so feiern wir in der Kirche zu Weihnachten auch den ersten Märtyrer, den Diakon Stephanus. Er war einer der sieben Diakone, die in der Gemeinde von Jerusalem eingesetzt wurden: Er sollte das Wort Gottes verkünden und sich besonders um die Armen kümmern. Man kann sich gut vorstellen, dass Leute mit einer solchen Aufgabe in die Schusslinie und in die Kritik geraten. Stephanus redet und handelt aus seinem Glauben heraus. Er hilft allen, die in Not geraten sind, den Kranken und Armen. So macht er sich einen Namen in der Öffentlichkeit und gewinnt an Einfluss.

Gerade das ist bestimmten Leuten immer verdächtig, die auf Macht und Einfluss versessen sind. Wir hören, wie solche Leute auf die Worte von Stephanus reagieren: Sie fangen ein großes Geschrei an und halten sich die Ohren zu, um nur ja nichts mehr von den wichtigen Worten des Stephanus hören zu müssen. Nicht nur Kinder handeln manchmal so bockig, sondern auch Erwachsene: Sie wollen einfach nicht mehr zuhören, weil sie unbedingt recht behalten wollen. So kommt es zum Streit, im schlimmsten Fall zu Gewalt. Wir sollten daraus lernen. Aber das, was Stephanus erleiden musste, mussten viele Menschen nach ihm auch erfahren.

Der Tod des Stephanus war der Anfang einer Verfolgung: Viele Christen wurden aus Jerusalem aufs Land vertrieben. Und genau das führte zur Ausbreitung der neuen Botschaft von Jesus: Jesus wurde ein Mensch unter Menschen, einer von uns. So rettet Gott alle Menschen aus Trauer, Not, Verzweiflung – und auch aus dem Tod.

Evangelium

Mt 10,17–22

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sagte Jesus: Nehmt euch aber vor den Menschen in Acht! Denn sie werden euch vor die Gerichte bringen und in ihren Synagogen auspeitschen.

18 Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt, damit ihr vor ihnen und den Heiden Zeugnis ablegt.

19 Wenn man euch vor Gericht stellt, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt.

20 Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.

21 Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder, und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken.

22 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.

Fürbitten

Jesus Christus, Gottes Sohn, ist Mensch geworden und trägt unsere Bitten und Anliegen vor Gott hin:

Christus, höre uns.

Jesus, du bist bei uns alle Tage, auch dann, wenn wir in Schwierigkeiten kommen. Für deine Hilfe und Nähe danken wir dir von Herzen. Amen.

Hinweis

Allen, die Stephan/Stefan oder Stephanie/Stefanie heißen, wünschen wir alles Gute zum Namenstag.

1. FASTENSONNTAG A

HÖR AUF GOTTES STIMME!

Gen 2,7–9.16–17; 3,1–6; Mt 4,1–11

Einführung

Alles Mögliche wird uns täglich eingeflüstert. Die Werbung sagt uns, wir sollen unbedingt dieses tolle Spiel kaufen, die Freunde wollen, dass man bei dieser Sache auf jeden Fall mitmacht (sonst gehörst du nicht mehr zu uns!). Dann sagen auch noch die Lehrer und die Eltern, man solle jenes tun und dieses lassen – worauf sollen wir noch hören?

Am Beginn unseres Gottesdienstes rufen wir zu Jesus, der jetzt in unserer Mitte ist, und uns mit seiner Botschaft Worte für unser Leben schenkt.

Kyrie-Rufe

Herr Jesus, du bist uns nahe und zeigst uns den richtigen Weg.

Herr Jesus, du lässt uns umkehren, zu Gott, wenn wir den Weg verfehlt haben.

Herr Jesus, du sprichst zu uns, wenn wir uns entscheiden müssen.

Gebet

Großer und guter Gott, du schenkst uns nun vierzig Tage, in denen wir besonders über unser Leben nachdenken sollen. Sei uns in dieser Zeit besonders nahe, dass wir auf dich und die Botschaft Jesu Christi hören und uns für das entscheiden, was uns und unserer Gemeinschaft und Familie gut tut. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Hinführung zur Lesung

Frage

(an die Erwachsenen)

Welches ist das erste Gebot? …

Nein, ich meine das erste, das in der Bibel steht, wenn man vorne anfängt?

Die Antwort lautet: „Vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen!“ So steht es im ersten Buch der Bibel, dem Buch Genesis.

Lesung

Gen 2,7–9

Lesung aus dem Buch Genesis.

Damals formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.

8 Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte.

9 Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

Gen 2,16–17

Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen,

17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.

Frage

Und? Wird sich der Mensch daran halten?

Gen 3,1–6

Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?

2 Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen;

3 nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben.

4 Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben.

5 Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse.

6 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß.

Frage

Und? Werden die beiden gleich tot umfallen? (–)

Überleitung zum Evangelium

Ich habe mich immer gefragt, was dieses seltsame Gebot bedeutet: Ausgerechnet von einem bestimmten Baum dürfen die Menschen im Paradies nicht essen. Wahrscheinlich geht es gar nicht um das Essen von Obst. Vielmehr ist das Gebot, nicht von diesem Baum zu essen, ein Bild. Es ist ein Platzhalter für alle Weisungen, die uns Gott gibt: Wir sollen auf Gott hören (und nicht auf irgendjemanden anderen!), dann ist das gut für unser Leben.

Und wenn wir es nicht tun? Wir fallen nicht gleich tot um. Gott gibt uns noch eine Chance.

Im Evangelium heute flüstert jemand (die Bibel nennt diesen „jemand“ „Teufel“) dem Jesus allerlei ein. Mal sehen, wie sich Jesus dagegen wehrt.

Evangelium

Mt 4,1–11

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden.

2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.

3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.

4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

5 Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel

6 und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

7 Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht

9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.

10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.

11 Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm.

Auslegung

Das war kein Teufel aus dem Kasperltheater, mit dem sich Jesus da unterhalten hat. „Teufel“ – das steht hier für all das, was uns Menschen (und Jesus ist da ganz einer von uns) so alles eingeflüstert wird oder auch das, was uns einfällt, von dem wir eigentlich genau wissen, dass es schlecht ist (und wir möchten es doch gerne tun …)

Was soll Jesus alles tun?

Zaubern: Aus Steinen Brot machen, das heißt, alles haben wollen. Das ist nicht gut für uns, weil wir dann immer noch mehr haben wollen und gar nicht glücklich werden …

Mal ausprobieren, ob Gott doch auf ihn aufpasst … Wollen wir nicht auch manchmal Gott auf die Probe stellen? Wir sagen: Wird schon gut gehen – und machen dann ganz waghalsige Sachen, von denen wir genau wissen, dass es nicht gut ist (z. B. mit dem Fahrrad rasend schnell den Berg runterfahren oder irgendwo raufklettern …). Gott wird schon auf mich aufpassen. Vorsicht!

Den Teufel anbeten, damit er König der Welt wird. Wie oft versprechen uns alle möglichen Leute dieses und jenes, wenn wir nur tun, was sie wollen. „Wenn du zu uns gehören willst, dann musst du uns aus dem Laden eine CD klauen“ – du weißt genau, dass es falsch ist. Dann höre auf die Stimme, die dir sagt, was falsch ist und tue es nicht! Auch wenn dir deine angeblichen Freunde versprechen, dass sie immer zu dir halten werden! Ihr wisst, was gut ist – Gott sagt es euch in euer Herz! Hören wir auf diese Stimme – und nicht auf große Versprechungen von irgendwelchen Leuten.

Fürbitten

Zu Gott, der uns in der Bibel gesagt hat, was gut für uns ist und es auch heute in unser Herz sagt, bringen wir unsere Anliegen und bitten ihn:

Wir bitten dich, erhöre uns.

Großer Gott, stärke in den vierzig Tagen der Fastenzeit unseren Glauben, sprich uns an, dass wir dich hören. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.

VORSTELLUNGSGOTTESDIENST DER KOMMUNIONKINDER

KOMM, GEH MIT MIR, WIR FINDEN DEN SCHATZ

Lev 26,3–6.10–13; Mt 13,44–46

Einführung

Wir begrüßen heute besonders die Kommunionkinder dieses Jahres und ihre Eltern im Gottesdienst. Das Thema der Vorbereitung auf die Erstkommunion ist „Komm, geh mit mir, wir finden den Schatz“. Wir machen uns heute auf eine Schatzsuche. Ihr könnt schon mal überlegen, wo in unserer Kirche hier der allergrößte und wertvollste Schatz aufbewahrt ist. – Zuerst aber wollen wir uns vorbereiten und Jesus um Hilfe und Erbarmen anrufen.

Kyrie-Rufe

Herr Jesus, du kommst jetzt zu uns und wir kommen zu dir.

Herr Jesus, bei dir erfahren wir Gemeinschaft und Freude.

Herr Jesus, hilf uns in unseren Sorgen und Fragen.

Gebet

Großer und guter Gott, du bist der Herr über Himmel und Erde, du kennst die Herzen der Menschen. Wir kommen mit Vertrauen und Hoffnung zu dir. Hilf uns zu erkennen, dass der Glaube an dich und deine Weisung den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden führt. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Hinführung zur Lesung

Liebe Kinder, wenn ihr euch unsere Kirche so anschaut, dann ist es doch eigentlich sehr leicht zu sehen, wo in unserer Kirche ein wertvoller Schatz versteckt ist. Wollen wir mal raten?

Blicke allmählich auf den Tabernakel hinlenken

Das Wertvollste, das man in einer (katholischen) Kirche findet, ist – der Tabernakel. Hier bewahren wir katholischen Christen das auf, was uns das Wichtigste und Wertvollste ist: das heilige Brot, der Leib Christi. So, jetzt habe ich euch schon das Ende unserer Schatzsuche verraten.

Aber so einfach ist das natürlich nicht. Frage an die Erwachsenen: Haben Sie das eigentlich verstanden, warum das heilige Brot das Wertvollste ist, das wir aufzubewahren haben? Ja, so einfach ist das nicht! Ich glaube, wir müssen uns noch einmal auf die Schatzsuche machen und miteinander suchen, warum unser Schatz dort ist, und was das überhaupt alles bedeutet.

Machen wir dazu mal einen Ausflug in eine andere Religion, die unserem christlichen Glauben vorausgeht: Wenn man jemanden aus dem Judentum fragt, was ihnen in ihrer Synagoge das Wertvollste ist, dann wird er auch auf einen Schrank an der Wand verweisen. Was ist da drin? Die Tora, das ist eine große Rolle mit der Heiligen Schrift, den fünf Büchern des Mose. Und warum ist das so wertvoll? Im Judentum freut man sich darüber, dass in der Tora geschrieben steht, was Gott will – und Gott hat versprochen, dass es einem gut gehen wird und dass einem alles gelingt, wenn man sich daran hält. Das hören wir jetzt in der Lesung.

Lesung

Lev 26,3–6

Lesung aus dem Buch Levitikus.

So spricht Gott, der Herr, zu den Israeliten:

Wenn ihr nach meinen Satzungen handelt, auf meine Gebote achtet und sie befolgt,

4 so gebe ich euch Regen zur rechten Zeit; die Erde liefert ihren Ertrag, und der Baum des Feldes gibt seine Früchte;

5 die Dreschzeit reicht bei euch bis zur Weinlese und die Weinlese bis zur Aussaat. Ihr esst euch satt an eurem Brot und wohnt in eurem Land in Sicherheit.

6 Ich schaffe Frieden im Land: Ihr legt euch nieder und niemand schreckt euch auf. Ich lasse die Raubtiere aus dem Land verschwinden. Kein Schwert kommt über euer Land.

Lev 6,10–13

Ihr werdet noch von der alten Ernte zu essen haben und das Alte hinausschaffen müssen, um Platz für das Neue zu haben.

11 Ich schlage meine Wohnstätte in eurer Mitte auf und habe gegen euch keine Abneigung.

12 Ich gehe in eurer Mitte; ich bin euer Gott und ihr seid mein Volk.

13 Ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus dem Land der Ägypter herausgeführt hat, sodass ihr nicht mehr ihre Sklaven zu sein braucht.

Überleitung zum Evangelium

Die Menschen im Judentum freuen sich, weil sie von Gott die Weisung für ihr Leben bekommen haben. Danach leben sie und werden glücklich – oder auch nicht: Sie leben nicht danach und erleben viel Unglück. Je nach dem. Trotzdem freuen sie sich über die Tora. Sie sind froh, dass sie Gottes Wort in einem Buch haben. Dieses Buch ist für sie wie ein Schatz.

Auch für uns Christen ist das Wort Gottes, die Bibel, sehr wertvoll. Wir lesen daraus jeden Sonntag. Wer wissen will, was es heißt, an Gott zu glauben, auf Gott zu vertrauen, der findet in der Bibel viele Schätze. Jesus selbst erzählt von einem Schatz im Acker, von einer besonders wertvollen Perle. Wir hören davon im Evangelium.

Evangelium

Mt 13,44–46

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

In jener Zeit sagte Jesus: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.

46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

Auslegung

Jesus erzählt von einem Schatz und von einer wertvollen Perle. Ein Mensch findet dieses wertvolle Teil, und er gibt alles her, was er bisher hatte, um den wertvollen Schatz, die kostbare Perle zu bekommen. Jesus meint damit „das Himmelreich“, das Reich Gottes. Es geht nicht darum, dass wir irgendwo eine Kiste mit Gold, Perlen und Edelsteinen aus der Erde holen. Der Schatz, von dem Jesus spricht, ist der Glaube an Gott, das Vertrauen darauf, dass es Gott gibt und dass er es gut mit uns meint. „Himmelreich“ nennt Jesus das. Und das soll ein Schatz sein? Das soll etwas Wertvolles sein? Ich denke schon. Wir haben uns am Elternabend der Kommunionkinder gefragt: Was ist uns am Glauben an Gott und Jesus so wertvoll, so wichtig? Die Eltern haben Folgendes gesagt:

Der Glaube an Gott und Jesus ist für mich wertvoll/wichtig,

weil ich dann eine Hoffnung habe (z. B. über den Tod hinaus),

weil ich Gemeinschaft erlebe,

weil ich Wertmaßstäbe habe,

weil ich von Gott/Jesus eine Weg-Weisung habe,

weil ich mit Gott/Jesus nie allein bin (Wer glaubt, ist nie allein),

weil ich weiß, dass ich geliebt werde,

weil ich durch den Glauben Kraft erfahre,

weil ich mich bei Gott geborgen fühle.

Die Eltern haben mit ihren Kindern darüber gesprochen. Unsere Kommunionkinder werden sich nun vorstellen und dabei auch einen Satz sagen, warum der Glaube an Jesus für sie ein wertvoller Schatz, eine kostbare Perle ist.

Beispiel

Ich heiße Michael und komme aus …

Der Glaube an Jesus ist für mich wertvoll, weil ich da Gemeinschaft mit anderen erfahre.

Fürbitten

Wir glauben daran, dass das Himmelreich ein wertvoller Schatz ist. Unser Glaube soll uns Kraft geben. Daher sprechen wir unsere Anliegen vor Gott aus: