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Der liturgische Kalender kennt nicht nur grüne Sonntage, sondern auch violette, weiße, rote. Nach seiner vielbeachteten Auslegung der Tagesgebete im Jahrskreis wendet sich der Autor in diesem Band den Festen und Festzeiten zu. Es geht um die Orationen der Advents- und Weihnachtszeit, der Fastenzeit, der Karwoche und Osterzeit, endend mit Pfingsten und dem Dreifaltigkeitsfest.

Ausgehend vom lateinischen Text und seiner genauen Analyse erschließt Alex Stock dessen Sinngehalt und entdeckt in der Dichte der Tagesgebete die Theologie der Festtage und Festzeiten des Kirchenjahres. Der Ertrag mündet jeweils in den Vorschlag einer Übersetzung.

 

 

 

Zum Autor

 

Alex Stock, Dr. theol., geboren 1937, ist Professor em. für Theologie und ihre Didaktik an der Universität zu Köln.

 

 

 

 

 

Orationen

 

 

Die Tagesgebete der Festzeiten

 

 

 

 

neu übersetzt und erklärt von Alex Stock

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verlag Friedrich Pustet

Regensburg

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

 

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

eISBN 978-3-7917-6042-1 (epub)

© 2014 by Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Umschlaggestaltung: Martin Veicht, Regensburg

Satz: Vollnhals Fotosatz, Neustadt a. d. Donau

eBook-Produktion: Friedrich Pustet, Regensburg

 

Diese Publikation ist auch als Printprodukt erhältlich:

ISBN 978-3-7917-2613-7

 

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Einleitung

Der liturgische Kalender kennt nicht nur grüne Sonntage, sondern auch violette, weiße, rote. Der im Jahre 2011 erschienene kleine Band „Orationen. Die Tagesgebete im Jahreskreis“1 hatte die grünen Sonntage im Blick, der vorliegende wendet sich den Festen und Festzeiten zu. Es geht um die Tagesgebete der Advents- und Weihnachtszeit, der Fastenzeit, der Karwoche und Osterzeit, endend mit Pfingsten und dem Dreifaltigkeitsfest.

Der erste Band hat Zustimmung und Kritik erfahren.2 Beides hat meine lang zurückreichende Beschäftigung mit den Orationen von Neuem beflügelt. Es geht um die Arbeit an kleinen lateinischen Texten, an ihrer lateinischen Grundfassung und dem denkbaren Übergang in die deutsche Sprache von heute. Philologisch genaue Analyse ist der Weg zum theologischen Sinngehalt. In der Dichte der Tagesgebete kann man der Theologie der Festtage und Festzeiten des Kirchenjahres nachgehen. Der Ertrag mündet jeweils in den Vorschlag einer Übersetzung.

Die Stellung in der neueren kirchlichen Übersetzungsdiskussion wurde im Vorwort des ersten Bandes besprochen. Es geht nicht darum, römischen Instruktionen zu Diensten zu sein, sondern durch sprachliche Aufmerksamkeit leicht zu übersehende Stücke der Tradition für die Gegenwart zu retten, ohne amtlichen Auftrag, rein aus eigenem Antrieb.

In dieser Arbeit ergaben und bewährten sich Regeln, die hier in der gebotenen Kürze noch einmal angeführt werden sollen:

a. Die Übersetzung hat die textpragmatische Situation im Auge. Der Priester spricht in den Orationen als Einzelperson, aber im grammatischen Plural, also stellvertretend. Er tritt im Namen einer Kommunität vor das Angesicht des unsichtbaren Gottes. An ihrer Spitze, die Delegation hinter sich, überbringt er dem Schöpfer der Welt ein Anliegen der Menschenkinder, eine Petition. Sie ist kurz und wird in aller Kürze begründet. Das ist die brevitas Romana, die sich vor dem Dominus kein weitschweifiges Gerede erlaubt. Kürze aber bedeutet Konzentration dessen, was man sagen will, in rhetorisch gespannter Form. Es ist eine lapidare Form römischer Kunstprosa.

b. Die Übersetzung sollte semantisch so genau wie möglich sein. Die anschauliche Konsistenz des semantischen Feldes ermöglicht ein szenisches Verstehen der Situation coram Deo. Eng am Text ist pastoraler Jargon ebenso zu vermeiden wie modische Extravaganz.

c. Die Übersetzung sollte die syntaktische Struktur des Textes achten. Wenn in der grammatischen Verschachtelung nicht nur ein rhetorisches Ornament zu sehen ist, sondern sich die Komplexität der Sache selbst artikuliert, dann sollte der Katarakt nicht zu schnell in die Flüssigkeit einer gängigen Periode begradigt werden.

d. Die Interpunktion markiert Sinnabschnitte, aber sie kann auch als Taktierung des Sprachvollzugs angesehen werden, als Zeichen von Atemeinheiten.3 Ein Sprechtakt kann von einer Reihe von Worten oder nur von einem einzigen, dem eine nachfolgende Pause Gewicht verleiht, ausgefüllt werden.

e. Auf Singbarkeit wurde bei den Übersetzungen nicht geachtet. Ob die Texte singbar sind, steht dahin. Sollten sie es auf jeden Fall sein? Ist einer Oration als dichter Form des Gebets im Angesichte Gottes rhetorische Sprechintensität vielleicht doch eher angemessen als eine Art Oratorien-Ton?

Regeln sind zu diskutieren, ihr Ernstfall aber ist die wirkliche Übersetzung. Übersetzungen vorzulegen, zu begründen, der poetisch-theologischen Kritik wie auch dem praktischen Versuch auszusetzen, gegebenenfalls zu verwerfen und durch eine bessere Lösung zu ersetzen, scheint mir eine Arbeit zu sein, die über alle praktische Zielsetzung hinaus theologischen Erkenntnisgewinn zu erbringen vermag.

Die Textlage ist im vorliegenden Fall ein wenig anders als bei den Tagesgebeten der „Sonntage im Jahreskreis“. Dort lag neben den gültigen Texten des Deutschen Messbuchs ein Kommissionsentwurf4 vor, so dass zwei Bezugstexte gegeben waren, an denen sich der Kommentar und die neue Übersetzung abarbeiten konnten. Bei den Festzeiten steht als Widerlager nur die Textfassung des Messbuchs zur Verfügung.

Da die Reihe der „Sonntage im Jahreskreis“ eine neue kalendarische Konstruktion ist, ergibt sich keine genaue Korrespondenz zu den früheren Sonntagen „nach Erscheinung“ und „nach Pfingsten“. Bei den Festzeiten lässt sich eine Synopse der liturgischen Formulare jedoch leicht erstellen. Und es zeigt sich schnell: Die Orationen des tridentinischen Missales wurden fast durchgängig durch neue Fassungen ersetzt. Das ist eine weitreichende Maßnahme der römischen Liturgieverwaltung. Motive und Tendenzen dieses Eingriffs in die Tradition näher zu untersuchen, wäre eine interessante liturgiegeschichtliche Aufgabe, die im vorliegenden Zusammenhang aber nicht zu leisten war. Wo es sich in einzelnen Fällen nahelegte, den alten und neuen Text nebeneinanderzuhalten, traten Sinnverschiebungen zutage, die frömmigkeits- und theologiegeschichtlich zum Nachdenken Anlass geben.

Bei den in diesem Band besprochenen Tagesgebeten handelt es sich wie bei den Orationen der „Sonntage im Jahreskreis“ mit wenigen Ausnahmen um alte Stücke aus Sakramentaren der Übergangszeit von der Spätantike zum frühen Mittelalter. Die römische „Kongregation für den Gottesdienst“ weist als Quellen vor allem das aus dem 8. Jh. stammende Gelasianum vetus, das etwas ältere Leonianum (6. Jh.), das etwas jüngere Gregorianum (9. Jh.) und altspanisch-mozarabische Quellen (7. Jh.) aus.5 Die Quellen werden im Einzelnen nach den einschlägigen Ausgaben dokumentiert. Die Dokumentation ist jedoch mit einer in historisch-kritischer Sicht bemerkenswerten Vorbemerkung des französischen Bearbeiters versehen6, die zu verstehen gibt, dass „Quellen“ hier nur „im weiteren Sinn des Wortes (pris au sens le plus large du mot)“ zu verstehen sei, der von wörtlicher Übernahme des alten Textes über allerlei Überarbeitungen und Anpassungen bis zur impliziten Zitation zum Behelfe einer Neukomposition reichen könne. Das alles habe man „par souci de simplicité et de rapidité“, also um die Sache in der Kürze der Zeit möglichst schnell und einfach zu erledigen, bei den Quellenangaben nicht im Einzelnen dokumentieren können; und man wird darauf verwiesen, dass man ja mit einem simplen Vergleich (simple comparaison) die wahre Quellenlage leicht verifizieren könne, natürlich nur, wenn man die einschlägigen historisch-kritischen Sakramentarausgaben zur Hand hat.

Die von den anonymen Autoren der heutigen lateinischen Texte unter der Hand unternommene Überarbeitung der Tradition verdiente hinsichtlich ihrer Motive und Verfahren keine geringere kritische Aufmerksamkeit als die sich daran anschließende Übertragung vom Lateinischen in die Sprachen des Erdkreises, die mit so viel Argwohn begleitet wird. Hatte vielleicht die erste römische Übersetzerinstruktion Comme le prévoit von 1969, die das „Prinzip der dynamischen Äquivalenz“7 favorisierte, die freizügige Genese dieser lateinischen Texte noch genauer im Gedächtnis als die Instruktion von 20018, die das gesamte Repertoire als quasi klassisch, unantastbar also, unterstellt?

Wie weit die Überarbeitung der spätantik-frühmittelalter-lichen Texte bei den in diesem Band vorgestellten Tagesgebeten faktisch reicht, muss hier dahingestellt bleiben. Eine literarhistorische Untersuchung wäre nützlich, kann aber im vorliegenden Zusammenhang, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht angegangen werden. Die, wie auch immer entstandenen, lateinischen Texte des Missales Pauls VI. werden als Grundlage genommen. Der Vorschuss, den die hermeneutische Bemühung ihnen gegenüber einzubringen bereit ist, bedeutet jedoch nicht Unterwerfung. Die Übersetzung und die damit verbundene analytische Arbeit ist auch eine Art Probierstein für den Gehalt des jeweils angebotenen Stücks. Die Prüfung endet nicht immer bei einem rückhaltlosen Placet.

Die Methode des vorliegenden Bandes folgt dem Muster seines Vorgängers. Auf den lateinischen Text folgt die deutsche Übersetzung. Der anschließende Kommentar sucht den Sinn der lateinischen Vorlage herauszuarbeiten und den eigenen Übersetzungsvorschlag in Auseinandersetzung mit schon gegebenen deutschen Fassungen zu begründen.

Die lateinischen Texte wurden entnommen aus: Der Große Sonntags-Schott, hg. von den Benediktinern der Erzabtei Beuron, Freiburg i. Br. 1975. Die in den Kommentaren mit Deutsches Messbuch gekennzeichneten deutschen Übersetzungen beziehen sich auf die dort abgedruckten Texte. Ältere unter Römisches Messbuch geführte Übersetzungen stammen aus: Das vollständige Römische Meßbuch, lat. und deutsch, hg. von A. Schott, Freiburg i. Br. 1934. Auch den vorliegenden Band kann man verstehen als eine von der neueren Übersetzungsfrage motivierte Fortschreibung von J. Pascher, Die Orationen des Missale Romanum Papst Pauls VI. 1.–3. Teil, hg. von W. Dürig, St. Ottilien 19819.

 

Anmerkungen

1    A. Stock, Orationen. Die Tagesgebete im Jahreskreis neu übersetzt und erklärt von Alex Stock, Regensburg 2011.

2    Vgl. z. B. U.M. Lang, Fremdheit und Vertrautheit der Liturgie, in: St. Wahle / H. Hoping / W. Haunerland, Römische Messe und Liturgie der Moderne, Freiburg i. Br. 2013, 442–448; W. Haunerland, Bessere Texte! Ein Plädoyer angesichts der Übersetzungen von Alex Stock, in: Wahle / Hoping / Haunerland, Römische Messe, 428–434.

3    Vgl. J. A. Jungmann, Missarum sollemnia I, Wien 1958, 484.

4    Studien und Entwürfe zur Meßfeier (Texte der Studienkommission für die Meßliturgie und das Meßbuch der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Liturgischen Kommissionen im deutschen Sprachgebiet 1), hg. von E. Nagel, Freiburg i. Br. 19962.

5    Vgl. A. Dumas, Les Sources du Missel Romain, in: Notitiae 7 (1971), 37–42; 74–77; 409f.; vgl. auch die Angaben in: J. Pascher, Die Orationen des Missale Romanum Papst Pauls VI. 1.–3. Teil., hg. von W. Dürig, St. Ottilien 1981, passim.

6    In der Einleitung zu der Reihe „Les Sources du Nouveau Missel Romain“ heißt es: „Par souci de simplicité et de rapidité, on n’a pas indiqué si la source mentionné était reproduite intégralemant dans le nouveau Missel ou bien – c’est le cas le plus fréquant – dans quelle mesure elle avait été restaurée ou adaptée. Parfois même, il ne s’agit que d’une source lointaine ou d’une citation implicite utilisée pour une composition nouvelle. Une simple comparaison suffira alors à mettre en lumière les différences entre le texte et sa ‚source‘, pris au sens le plus large du mot.“: Dumas, Le Sources, 37.

7    Haunerland, Bessere Texte!, 429.

8    Congregatio de Cultu Divino et Disciplina Sacramentorum. Liturgiam authenticam. De usu linguarum popularium in libris liturgiae Romanae edendis. Lat.-deutsche Ausgabe in den Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 154, hg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn 2001.

9    Vgl. auch: K. Richter, Höre unser Gebet. Betrachtungen zu den Orationen der Sonntage und Hochfeste des Herrn, Mainz 1988; Erhöre die Bitten deines Volkes. Geistliche Kommentare zu den Orationen des Meßbuchs. Für Verkündigung und Meditation, hg. von den Liturgischen Instituten Salzburg, Trier, Zürich, Freiburg/Brsg. 1978.

1. Advent

Da, quaesumus, omnipotens Deus, hanc tuis fidelibus voluntatem, ut Christo tuo venienti iustis operibus occurrentes, eius dexterae sociati, regnum mereantur possidere caeleste.

Wir bitten dich, allmächtiger Gott, gib deinen Gläubigen diesen Willen, Christus, deinem Messias, der kommt, entgegenzugehn mit Werken der Gerechtigkeit und so das Himmelreich zu erwerben, zu seiner Rechten mit ihm vereint.

In der Mitte dieser neuen Oration zum 1. Adventssonntag steht der Wille: „da voluntatem“. In unseren geistigen Vermögen hat das Gedächtnis (memoria) mit der Vergangenheit zu tun, die Erkenntnis (intellectus) mit der Gegenwart, der Wille ist „unser geistiges Organ für die Zukunft“1. Die Bitte trifft sich mit der Zeit, in der sie geäußert wird. Advent bedeutet Ankunft, einen Modus von Zukunft. Ist der Wille eines unserer geistigen Vermögen, so ist die Bitte darum freilich merkwürdig. Ist er ein anthropologisches Konstituens des Menschen, so kann man dem Schöpfer dafür danken, braucht ihn aber darum nicht eigens zu bitten. Die Voraussetzung alles Bittens ist doch, dass man etwas will und die Erfüllung dieses Wunsches erbittet.

Nun steht in der Oration auch nicht einfach „da voluntatem“, sondern „da hanc voluntatem“ – „Gib diesen, diesen besonderen Willen“, der dann im Folgenden näher erläutert wird. Es ist der Wille zu Werken der Gerechtigkeit. In der Bibel wird gewöhnlich von „guten Werken“, „guten Taten“ (opera bona) gesprochen. Der erbetene Wille ist also der Wille zum Guten, zu gutem Handeln. Aber warum bittet man darum, statt sich schlicht dazu zu entschließen? Der freie Wille, das liberum arbitrium, ist doch gerade das Vermögen der Wahlfreiheit, an das die Zehn Gebote und jedes moralische „Du sollst“ und „Du sollst nicht“ appellieren und das uns verantwortlich macht für Gut und Böse. Schieben wir das Wollen des Guten auf Gott, so sind die daraus hervorgehenden Taten uns auch nicht mehr zuzurechnen.

Dass es mit dem Willen nicht so einfach ist, ist eine Entdeckung der christlichen Menschenkunde, vor allem des hl. Paulus: „Kurz, der Wille ist nicht deshalb ohnmächtig, weil ihm etwas Äußeres Hindernisse in den Weg legen würde, sondern weil der Wille sich selbst behindert.“2 Es ist ein merkwürdiger Widerwille in uns, der uns das Gute, das wir eigentlich wollen, nicht tun lässt: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“ (Röm 7,19). „Der Wille, der da gespalten ist und auf der Stelle seinen Gegenwillen hervorbringt, bedarf der Versöhnung, muss wieder eins werden.“3 Um diesen in sich einigen, gute Werke wie Früchte hervorbringenden Willen betet die Oration. Paulus nennt das „Gnade“, im Gegensatz zu „Verdienst“.

Die guten Werke sind in der Perspektive des Advents Geschenke, die die Gläubigen Christus, der im Kommen ist, entgegenbringen. Die hier ins Auge gefasste Bewegung des Kommens (venienti) und Entgegengehens (occurrentes) erinnert an das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen (Mt 25,1–13), das seinen Nachhall in einem bekannten Adventslied hat: „Wachet auf, ruft uns die Stimme … ihr müsset ihm entgegengehn.“

Der im Kommen ist, ist Christus. Der lateinische Text spricht von „Christo tuo“, was wörtlich übersetzt „deinem Christus“ heißt. Hinter dem gängig gewordenen Eigennamen kommt der Titel zum Vorschein: „dein Gesalbter“, „dein Messias“. Diese im christlichen Gebetsbrauch eher seltene Erinnerung sollte in der deutschen Übersetzung nicht übergangen werden. Unser Vorschlag macht es in Form einer Apposition: „Christus, deinem Messias, der kommt“.

Der christliche Glaube bekennt Jesus von Nazaret als den gekommenen Messias: „Jesus Christus“. Wenn der Gekommene als erst noch Kommender (venienti) angerufen wird, schafft das eigentümliche Zeitverhältnisse. Es sind die Zeitverhältnisse der Liturgie, die den linearen Verlauf der Zeit in den Jahreskreis einbiegt, in dessen zyklischem Verlauf die Christgläubigen alle Jahre wieder auch in die Zeit ante Christum natum geraten. Die hier erflehte Ankunft aber geschieht nicht „zu einer Stunde, wo ihr es nicht meint“ (Mt 24,44), sondern im liturgischen Kalender auf den Tag terminiert. Zu Weihnachten heißt es im Präsens der liturgischen Zeit: „Heute ist euch der Heiland geboren, welcher ist Christus (Messias), der Herr.“