ZUM BUCH

 

In einer Zeit, in der nicht mehr täglich die heilige Messe gefeiert werden kann, bedarf es begeisterter Männer und Frauen, die mit der Leitung kleiner Formen im Alltag den Gottesdienst einer Gemeinde bereichern und beleben. Das Buch greift die Fülle an Anregungen für nicht-eucharistische Gottesdienste aus dem neuen Gotteslob auf und bietet zahlreiche Modelle, Elemente, Texte und Hinweise für die Gestaltung einfacher Gottesdienste im Alltag. Dazu gehören: Wort-Gottes-Feiern, Andachten, Anbetungsstunden, Morgen- und Abendlob, Mittagsstatio u.v.m.

 

 

ZUM HERAUSGEBER

 

Guido Fuchs, Dr. theol., geboren 1953, ist apl. Professor für Liturgiewissenschaft an der Universität Würzburg, Herausgeber der Zeitschrift „Liturgie konkret“ und Autor zahlreicher liturgiepraktischer Werke.

GUIDO FUCHS (Hg.)

 

 

Es muss nicht immer Messe sein

 

Andachten, Wort-Gottes-Feiern und kleine liturgische Formen

 

 

 

 

 

 

 

 

VERLAG FRIEDRICH PUSTET
REGENSBURG

IMPRESSUM

 

 

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

 

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

eISBN 978-3-7917-6040-7 (epub)

© 2014 by Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Umschlagbild: Fotolia © Ingairis

Layout und Umschlaggestaltung: Martin Veicht, Regensburg

Satz: MedienBüro Monika Fuchs, Hildesheim

eBook-Produktion: Friedrich Pustet, Regensburg

 

Diese Publikationen ist auch als Printprodukt erhältlich:

ISBN 978-3-7917-2611-3

 

Weitere Publikationen aus unserem Programm finden Sie unter

www.verlag-pustet.de oder www.liturgie-konkret.de

 

Kontakt und Bestellung: verlag@pustet.de

EINFÜHRUNG

„Es muss nicht immer ‚Messe‘ sein“ war das Buch übertitelt, das erstmals 1999 erschien und mehrmals aufgelegt wurde. Mit den verschiedenen gottesdienstlichen Formen sollte vor allem die Möglichkeit einer liturgischen Vielfalt aufgezeigt werden, die es leider zu wenig gibt, wenn in vielen Gemeinden immer wieder nur die Messfeier unter den verschiedensten Bezeichnungen angeboten wird. Bereits die Würzburger Synode hatte ja ein Wiederaufgreifen alter oder die Einführung neuer Formen gewünscht, um einer solchen Verarmung entgegenzuwirken.

Heute muss es eigentlich eher heißen: Es kann nicht immer Messe sein. Die Zusammenlegung vieler Gemeinden und der Rückgang der Priesterzahlen bringt immer mehr Gemeinden in die Situation, nicht-eucharistische Gottesdienste anzubieten, die auch von Laien gestaltet und geleitet werden können.

Das neue Gotteslob enthält dazu eine Fülle von Anregungen, die von den Formen der Tagzeitenliturgie über Wort-Gottes-Feiern bis zu den Andachten reichen. Es wird sicher einige Zeit dauern, bis das alles entdeckt und für den gemeindlichen Gebrauch auch nutzbar gemacht werden kann. Das vorliegende Büchlein will dabei helfen, indem es für die verschiedenen Möglichkeiten nicht-eucharistischer Gottesdienste Formen und Modelle vorstellt. Die einzelnen Formen werden dabei jeweils kurz beschrieben und, soweit möglich, auch mit einem Ablauf-Schema vorgestellt. Im Andachtenbereich gibt es viele Möglichkeiten der Variation, so dass man sich oft nur an einem Grundgerüst orientieren kann. Doch das Wort Gottes kann in fast all diesen Formen verkündet werden und eine zentrale Rolle spielen.

Beigefügt sind dem Buch auch einige „kleine“ Formen – einfach gestaltete Gebete, aber auch besonders gestaltete Tischgebete: Gerade im Zusammensein mit Gruppen wird leider zu oft immer derselbe Kanon angestimmt, so dass man sagen kann: Es muss nicht immer „Segne, Vater“ sein …

Es wird dabei auch auf entsprechende Abschnitte und Nummern im neuen Gotteslob verwiesen, wo oft noch zusätzliche Information zu finden sind. So kann dieses Buch auch mithelfen, das Gotteslob in seiner Vielfalt zu entdecken.

 

Würzburg, im Juni 2014        Guido Fuchs

FEIERFORMEN IM KIRCHENJAHR

WORT-GOTTES-FEIER (AM WERKTAG)

Der noch junge Begriff will deutlich machen, dass in dieser Feier Jesus Christus in seinem Wort gegenwärtig ist und gefeiert wird. Im Vergleich zum Wortgottesdienst der Messe sind einige Elemente anders gestaltet und gewichtet. So wird der „Antwort der Gemeinde“ nach dem Verkündigung des Wortes Gottes Raum gegeben.

Eröffnung

Verkündigungsteil

Antwort der Gemeinde (in Auswahl)

Abschluss

Vgl. im Gotteslob: GL 668–671

DEIN WORT IST WIE DER REGEN

WORT-GOTTES-FEIER IM ADVENT (RORATE)

Eröffnung

Zur Eröffnung
Tauet, Himmel, den Gerechten (GL-Diözesananhänge)

Kreuzzeichen und Gruß

V  Im Namen des Vaters …

A  Amen.

V  Jesus Christus, der war, der ist und der kommen wird, ist jetzt mit uns – als unser Bruder und Herr in Ewigkeit.

A  Amen.

Einführung
Tauet, ihr Himmel, tauet von oben, tauet herab den Gerechten. Lasst es regnen, ihr Wolken, lasst einen Schauer auf uns nieder, auf uns und die Erde, die sich danach sehnt.

Mit diesen Bildern und Rufen feiern wir Advent, drücken wir die uralte Sehnsucht der Menschen nach dem Kommen Gottes selbst aus. Wir brauchen ihn, der uns einen Frieden gibt, den die Welt nicht hat; der uns ein gutes Wort geben kann, das wirklich hilft, der unsere Verletzungen und Wunden heilen kann, weil er der Heiland ist.

Um ihn haben wir uns versammelt, sein heilsames Wort wollen wir hören, das wie Regen niederfällt auf die Wüste unseres Lebens. Zu ihm rufen wir.

Christusrufe
GL 158 (Tau aus Himmelshöhn) oder

Herr Jesus,

du bist unser Friedenskönig: Komm und schenke uns deinen Frieden. Kyrie eleison.

Auf dir ruht Gottes Geist: Komm und erfülle uns mit deinem Geist. Christe eleison.

Du bist das Zeichen für alle Völker: Komm, du Heiland aller Welt. Kyrie eleison

Eröffnungsgebet
Gott, wir bereiten uns in diesen Tagen darauf vor, die Menschwerdung deines Sohnes würdig zu feiern. Lass unser Gebet zu dir dringen und segne unser Bemühen, damit unser Leben sich erneuert und die ursprüngliche Reinheit wiedergewinnt. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. (MB 11)

VERKÜNDIGUNGSTEIL

Lesung
Vom Tag

Antwortpsalm
Ps 85; GL 633,5.6 (VV. 8–13)

Halleluja
GL 174,6 mit Vers

Halleluja
Vom Tag

(Impuls)

ANTWORT DER GEMEINDE

Bußakt und Vergebungsbitte

Das Wort Gottes ist wie ein Regen und öffnet unser Herz.

Wir haben das Evangelium gehört und wissen, wo wir Gottes Erbarmen benötigen, weil wir immer wieder von seiner Weisung abgewichen sind.

Kehrvers

Ihr Himmel, tauet den Gerechten, ihr Wolken regnet ihn herab (GL 234,1)

Verse
Herr, zürne nicht länger; denk nicht mehr an unsere Sünde! Wir haben den Bund gebrochen. Der Fluch unserer Schuld lässt die Erde wanken! Schwer lastet auf ihr der Frevel – ihre Bewohner müssen es büßen. Auf dich allein können wir hoffen! Komm uns zu Hilfe! – Kehrvers

Wir haben gesündigt – wir sind gefallen, wie dürres Laub, beladen mit Schuld. Und unser Frevel hat uns wie ein Sturm dahingerafft. Du hast dein Antlitz von uns abgewandt, hast uns unsern Sünden überlassen. – Kehrvers

Herr, sieh die Not deines Volkes! Und sende, den du senden willst. Sende das Lamm von deinem heiligen Thron, dass es die Erde beherrsche und zerbreche das Joch unserer Knechtschaft. – Kehrvers

Volk Gottes, tröste dich! Ich komme bald, dich zu befreien. Warum verzehrst du dich in Trauer? Warum erneuerst du die Tränen? Ich rette dich! Fürchte dich nicht! Denn ich bin der Herr, der Gott seines Volkes, dein Erlöser. – Kehrvers

(Vgl. Chorbuch zum Gotteslob 48–49)

Der allmächtige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns unsere Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben.

Friedensgruß

Vom Kommen des Friedenskönigs sagt Psalm 72:

„Er ströme wie Regen herab auf die Felder, wie Regenschauer, die die Erde benetzen. Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen und großer Friede, bis der Mond nicht mehr da ist.“

Diesen Frieden, der mit Christus auf die Erde kam, wollen wir uns auch einander zusprechen und im Zeichen der Gemeinschaft ausdrücken.

Fürbitten und Vaterunser

Mit Gott und miteinander versöhnt, wollen wir der Menschen gedenken und für sie beten, die Gottes Hilfe und Erbarmen brauchen: Du, unser Vater – wir bitten dich, erhöre uns.

Dich unseren Gott, preisen wir als unseren Vater im Himmel und beten zu dir, wie es dein Sohn uns gelehrt hat:

Vater unser …

ABSCHLUSS

Segensbitte und Entlassung

GL 671,3.4

Mariengruß GL 530 (Maria, Mutter unsres Herrn)

Anstelle des Bußaktes kann als Antwort der Gemeinde auch ein Wechselgebet stehen (s. folgende Seite).

Fuchs_Wechsellied

 

T: nach Jes 55,10 M: nach GL (1975) 117,1

Ich will hören, was Gott redet: /

Frieden verkündet der Herr seinem Volk und seinen Frommen,*

den Menschen mit redlichem Herzen.

Sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten.*

Seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.

Es begegnen einander Huld und Treue;*

Gerechtigkeit und Friede küssen sich.

Treue sprosst aus der Erde hervor;*

Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.

Auch spendet der Herr dann Segen*

und unser Land gibt seinen Ertrag.

Gerechtigkeit geht vor ihm her*

und Heil folgt der Spur seiner Schritte.

(Ps 85; GL 633,7 – VV. 8–13)

Kehrvers

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt,*

nicht auf dem Weg der Sünder geht,*

nicht im Kreis der Spötter sitzt,

sondern Freude hat an der Weisung des Herrn,*

über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht.

Er ist wie ein Baum,*

der an Wasserbächen gepflanzt ist,

der zur rechten Zeit seine Frucht bringt*

und dessen Blätter nicht welken.

Alles, was er tut,*

wird ihm gut gelingen.

(Ps 1; GL 31,2 – VV. 1–5)

Kehrvers

Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König,*

dem Königssohn gib dein gerechtes Walten!

Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit*

und deine Armen durch rechtes Urteil.

Dann tragen die Berge Frieden für das Volk*

und die Höhen Gerechtigkeit.

Er ströme wie Regen herab auf die Felder,*

wie Regenschauer, die die Erde benetzen.

Die Gerechtigkeit blühe auf in seinen Tagen*

und großer Friede, bis der Mond nicht mehr da ist.

Er herrsche von Meer zu Meer,*

vom Strom bis an die Enden der Erde.

(Ps 72; GL 47,2 – VV. 1–3.6–8)

Kehrvers

Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, *

die Steppe soll jubeln und blühen.

Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie,*

jubeln soll sie, jubeln und jauchzen.

Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt,

die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.

Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen,*

die Pracht unseres Gottes.

Macht die erschlafften Hände wieder stark*

und die wankenden Knie wieder fest!

Sagt den Verzagten:* Habt Mut, fürchtet euch nicht!*

Seht, hier ist euer Gott!

(Jes 35;GL 622,2 – VV. 1–6)

NOVENE

Novene nennt man den Zeitraum von neun Tagen, der ein Fest oder besonderes Ereignis gottesdienstlich vorbereitet. Bekannt ist die „Pfingstnovene“ an den Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und dem Hochfest des Heiligen Geistes, das auch mit der Gebetsgemeinschaft der Jüngerinnen und Jünger Jesu in Jerusalem in Verbindung gebracht wird (Apg 1,12–14).

Auch vor Weihnachten oder an großen Tagen der Gemeinde (Kirchweihe, Primiz) lässt sich eine solche Novene gestalten. Das kann durch besondere Gebete etwa am Schluss der (täglichen) Messfeier geschehen, aber auch durch eine eigene kleine Andachtsreihe, in der man auch den Besinnungen und Erschließungen des besonderen Anlasses Raum geben kann. Es müssen dabei nicht immer genau neun Tage sein.

KOMM, DU HEILAND ALLER WELT

Kopfstrophe

Höre uns, Hirt Israels: / Der du thronst auf Kerubim, / erscheine, / Herr, in deiner Macht / und komm uns zu Hilfe!

1. Komm, du Heiland aller Welt; / Sohn der Jungfrau, mach dich kund. / Darob staune, was da lebt: / Also will Gott werden Mensch.