ZUM BUCH

 

Manchmal fehlen einem die Worte angesichts des Leids von kranken Menschen. Aber manche Situation verlangt dennoch nach einem guten Wort, einem Zuspruch, einer Hoffnung. Deshalb bietet das Buch in einer situationsgemäßen Sprache Hilfen für Seelsorger und Ehrenamtliche, die kranke Menschen besuchen, mit ihnen beten, Gottesdienst feiern, ihnen die Krankenkommunion bringen oder die Krankensalbung spenden. Die Fülle von Gebeten und kleinen gottesdienstlichen Feiern nimmt das gesamte Geschehen von der Vorbereitung des Krankenbesuchs bis zum Segen des Kranken in den Blick, beachtet aber auch die besondere Prägung des Kirchenjahres.

Der Autor hat langjährige Erfahrung in der Krankenhausseelsorge und in der ambulanten Palliativversorgung.

 

 

ZUM HERAUSGEBER

 

Christoph Seidl, Dr. theol., geboren 1967, ist Pfarrer, Seelsorger für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen (Pflegende und Beratende) und Beauftragter für die Krankenhaus- und Hospizseelsorge in der Diözese Regensburg.

CHRISTOPH SEIDL (Hg.)

 

 

... und ihr habt mich besucht

 

Gebete und Hilfen für Krankenbesuch und Krankenkommunion

 

 

 

 

 

 

 

 

VERLAG FRIEDRICH PUSTET
REGENSBURG

IMPRESSUM

 

 

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

 

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

 

 

eISBN 978-3-7917-6039-1 (epub)

© 2014 by Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

Layout und Umschlaggestaltung: Martin Veicht, Regensburg

Satz: MedienBüro Monika Fuchs, Hildesheim

eBook-Produktion: Friedrich Pustet, Regensburg

 

Diese Publikationen ist auch als Printprodukt erhältlich:

ISBN 978-3-7917-2610-6

 

Weitere Publikationen aus unserem Programm finden Sie unter

www.verlag-pustet.de oder www.liturgie-konkret.de

 

Kontakt und Bestellung: verlag@pustet.de

Vorwort

Besuch ist nicht gleich Besuch! Davon kann jeder Geschichten erzählen: Es gibt den Besuch, auf den man sich schon lange freut und für den man viele Vorbereitungen trifft. Es gibt den Besuch, den man eher mit Bangen erwartet. Es gibt den Besuch, der sich vorher anmeldet und für den man die Wohnung aufräumt. Und es gibt den, der einfach vor der Tür steht, klingelt und dann sagt: Ich wollte einfach mal vorbeischauen! Ob der Besuch zu einer gelungenen Begegnung führt, hängt in der Regel nicht von der Vorbereitungszeit, von der aufgeräumten Wohnung und auch nicht von der Größe des Gastgeschenks ab. Ob die Begegnung gelingt oder quält, hängt wesentlich davon ab, ob sich Besucher und Besuchter auf einer gemeinsamen Ebene treffen. Die Ebene kann ein gemeinsames Thema sein. Noch entscheidender aber ist eine gemeinsame Schwingung. Beim Radio musste man früher mit großem Fingerspitzengefühl mit einem Rädchen die richtige Frequenz einstellen, sonst rauschte der Sender.

Was für jede Art von Besuch und Begegnung gilt, gilt noch intensiver für den Besuch am Krankenbett. Wenn der Besucher die Frequenz nicht trifft, wenn beide nicht dieselbe Sprache sprechen, dann rauscht es. Das betrifft auch die Sprache des Gebets, wenn ein Sakrament gefeiert, miteinander geklagt und gehofft und der Kranke gesegnet wird. Wenn die Sprache nicht stimmt, dann kann es sogar in der Begegnung zwischen dem Kranken und seinem Gott rauschen.

Das vorliegende Werkbuch hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, Gebete und Texte für die Gestaltung von kleinen gottesdienstlichen Feiern beim Krankenbesuch in einer situationsgemäßen Sprache zusammenzustellen. Das Titelbild auf dem Einband veranschaulicht das Anliegen: Es geht um den Versuch, schwere Themen in einer behutsamen Sprache ins Wort zu bringen. Worte, die in manchen Situationen kaum wahrgenommen werden, können unter bestimmten Umständen treffen wir ein Messer, können schwer belasten wie Blei. Allein der Besuch eines haupt- oder ehrenamtlichen Seelsorgers ist für viele Patienten schon bedeutungsvoll genug. Bilder und Phantasien steigen vor dem geistigen Auge auf: Geht es mir schon so schlecht!? Werde ich jetzt auch noch auf Herz und Nieren geprüft!? Wenn es dagegen gelingt, einen Raum zu schaffen, der eher befreit als belastet, der atmen lässt und Gedanken freisetzt, Gespräch ermöglicht und nicht erstickt, dann kann das Gebet schließlich erleichtern und Halt geben wie ein Fallschirm; es kann eine lebensbejahende Stimmung mit sich tragen wie ein kleines Samenkorn, das zielsicher seinen guten Platz findet.

Diese Gebetsvorschläge sind keine Gebete zum Auswendiglernen wie zu Schulzeiten. Sie kommen aus dem Leben, tragen die Handschrift der Autoren und Autorinnen und lassen deren „Mundart“ erkennen. Sie verstehen sich als Versuch, als Angebot sowie als Einladung, mit eigenen Worten zu beten. Letztlich ist für den gelingenden Krankenbesuch entscheidend, was Paulus in seinem Hohenlied der Liebe formuliert: „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“ (1 Kor 13,1)

Einige Texte und Modelle entstammen der Gottesdiensthilfe Liturgie konkret. Den AutorInnen Barbara Palm-Scheidgen, Heinrich Bücker, Reinhard Kleinewiese, Johannes Putzinger und Hanns Sauter, die eigens Beiträge für dieses Buch verfasst haben, gilt mein herzlicher Dank.

Regensburg, im Juli 2014     Christoph Seidl

1. KAPITEL

ICH GEBE DIR MEIN HERZ

GEBETE VON ANGEHÖRIGEN, BESUCHENDEN UND SEELSORGENDEN FÜR IHRE KRANKEN

„Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen.“ (Röm 8,26)

 

„Alles Gute wünsche ich Ihnen – und vor allem Gesundheit!“ Diesen Wunsch kann man oft hören: Zum Geburtstag, zum Jahreswechsel, zu jeder Art von Veränderung im Leben. Einerseits hat sich der Absender dieser Worte sicher etwas Gutes dabei gedacht: nicht Geld, Besitz und Ansehen stehen hier im Mittelpunkt des Interesses, sondern das körperliche, sicher auch seelische Wohlergehen, damit das Leben möglichst angenehm zu leben ist. Andererseits: Was ist denn eigentlich Gesundheit? Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Gründungsjahr 1946 in ihrer Verfassung Gesundheit so definiert: „Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ Wenn das Gesundheit ist, dann stellt sich die Frage, wie viele Menschen sich überhaupt noch als gesund bezeichnen könnten, denn das vollständige Wohlergehen ist wohl auf dieser Erde eher eine Seltenheit. Im Jahr 1988 hat die WHO ihren Gesundheitsbegriff deshalb weiter formuliert: „Gesundheit ist die Fähigkeit des Individuums, die eigenen Gesundheitspotenziale auszuschöpfen und auf die Herausforderungen der Umwelt zu reagieren.“ Es geht jetzt also nicht mehr so sehr um einen Zustand, als vielmehr um eine Fähigkeit, ein Potenzial: Es geht darum, mit dem Leben, so wie es kommt, umgehen zu lernen. Das ist Gesundheit.

Was wünscht man also einem Kranken? Noch dazu vielleicht einem Schwerkranken? Dass er bald wieder „ganz der Alte“ sein möge? Die meisten Kranken spüren, dass das wohl nicht so ganz möglich sein wird. Aber der Wunsch nach genügend Kraft und Geduld, um mit dieser Krise umgehen zu können und – was immer auch daraus werden mag – JA zum Leben sagen zu können, das wäre in der Tat ein weiser Wunsch!

Und darum dürfen wir getrost auch beten: um Kraft und Geduld. Paulus stellt im Römerbrief das menschliche Geschick unter die Kraft des Geistes: „So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“ (Röm 8,26) Ein Seufzen – auch Seufzen kann ein Gebet sein. Manchmal verbinden wir dieses Seufzen ja auch mit einem „Ach Herrje(sus) ...“ Worum wir genau beten sollen? Das ist gar nicht so von Bedeutung. Es geht darum, dass wir einander ins Gebet nehmen und mit dem Gebet tragen. Wie oft hat es mir schon gut getan, dass jemand zu mir sagte: „Ich bete für dich!“ Nicht was jemand genau betet, ist entscheidend, sondern dass er mich im Gebet vor Gott hinträgt. Das ist es!

Die folgenden Gebetsgedanken möchten daher nur eine Anregung sein, selbst wieder ins Beten zu kommen.

GEBETE VOR DEM KRANKENBESUCH

Lass mich hören

Herr Jesus Christus,

ich mache mich auf den Weg zu N. N.,

den ich jetzt besuchen möchte.

Ich weiß nicht, ob er mich erwartet

oder ob ich heute ungelegen komme.

Was immer auch sein mag, ich akzeptiere es.

In welcher Verfassung er sich gerade auch befindet:

Ich nehme ihn an, wie er ist.

Lass mich hören, was er wirklich sagt,

gib mir die Worte, die er braucht,

und lass mich tun, was ihm weiterhilft.

Er soll spüren, dass er nicht alleine ist,

sondern dass jemand Anteil an seinem Leben nimmt.

Segne ihn und segne auch mich.

Sei bei uns und bleibe bei uns

heute und alle Tage und in alle Ewigkeit.

Gib mir Worte

Herr, ich mach mich jetzt auf den Weg,

N. N. zu besuchen.

Ich habe Angst davor, Angst vor der Begegnung,

weil ich nicht weiß, ob ich erschrecke und

ob ich dann die rechten Worte finde,

Worte, die Mut machen,

die trösten, die von Herzen kommen.

Dein Geist begleite mich,

er gebe mir die rechten Worte in den Mund,

er gebe mir Kraft, weil ich so wenig stark bin.

Ich gebe dir mein Herz

Willst du meine Hände, Gott,

den ganzen Tag über denen zu helfen,

die es nötig haben, den Kranken und Armen?

Gott, ich gebe dir meine Hände.

Willst du meine Füße, Gott,

den ganzen Tag zu denen zu gehen,

die einen Freund nötig haben?

Gott, ich gebe dir meine Füße.

Willst du meine Stimme, Gott,

den ganzen Tag zu allen zu sprechen,

die deine Worte der Liebe brauchen?

Gott, ich gebe dir meine Stimme.

Willst du mein Herz, Gott,

den ganzen Tag,

um alle ohne Ausnahme zu lieben?

Gott, ich gebe dir heute mein Herz.

Herr Jesus,

ich will dich preisen,

solange ich hier unterwegs bin.

Erde und Meer und Himmel mögen in mein Lied

einstimmen, Herr Jesus.

Ich will dich preisen,

solange ich unterwegs bin.

Mein Herz klopft (Gebet einer Seelsorgerin)

Gerade bin ich wieder von der Station angefordert worden.

Ein schwerkranker Mann wünsche dringend seelsorglichen Beistand.

Er habe geäußert, dass sein Leben so sinnlos sei.

Ich mache mich auf den Weg.

Auf dem Stationsgang werden meine Schritte langsamer.

Noch einmal tief durchatmen.

Was erwartet mich hinter der Tür?

Mein Herz klopft.

Oh, Gott, warum bin ich immer noch ängstlich und aufgeregt,

bevor ich ein Krankenzimmer betrete.

Jemand braucht mich für seine Seele.

Tue ich diesem Menschen gut?

Wird er sich mir gegenüber öffnen und über sich und seine Gefühle sprechen?

Guter Gott, du lässt dich berühren, bist den Menschen nahe.

Schenke auch mir jetzt Berührung und Begegnung!

Ich klopfe an,

atme noch einmal tief durch.

Ich bin da.

Ich fühle mich hilflos (Gebet einer Seelsorgerin)

Gott, ich glaube, ich gewöhne mich nie daran,

wie unfassbar das Leid,

wie stark der Schmerz,

wie groß das Unglück bei manchem Kranken ist.

So schockierend,

dass es mir die Stimme verschlägt,

dass mit die Worte fehlen.

Ich fühle mich hilflos.

Stumm sitze ich neben dem Bett.

Es kostet mich Kraft, nicht aufzustehen,

Klagen, Weinen, Stille auszuhalten.

Doch manchmal kommt etwas in Bewegung.

Blicke treffen sich.

Eine Hand tastet sich vorsichtig über die Bettdecke.

Sanft nehme ich sie an, berge sie in meiner.

Plötzlich spüre ich, du lässt uns nicht im Stich, Gott!

Danke!

FÜR DIE KRANKEN DER GEMEINDE

Fürbitten (am Welttag der Kranken)

Mit Maria, unserer Fürsprecherin, wollen wir uns vertrauensvoll an ihren Sohn, unseren Herrn, wenden und ihn bitten:

Gott, du tust auch heute noch Wunder – an Orten wie Lourdes und überall dort, wo Menschen sich deiner Führung überlassen wie Maria. Du bist gut in Ewigkeit.

Genesungswünsche ins Krankenhaus

Für einen Besuchsdienst ist es nicht immer möglich, alle Kranken zu besuchen. Ein kleiner Ersatz sind Genesungswünsche durch eine selbst gestaltete Doppelkarte. Auf die Vorderseite wird ein passendes Foto geklebt, die Innenseiten enthalten einen persönlichen Gruß und die Unterschriften aller, die gerne einen Besuch machen würden. Ein Einlegeblatt enthält dazu folgenden Text:

Die Schwiegermutter des Petrus lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr … (Mk 1,30)

Herr Jesus Christus,

du bist immer für die Kranken da.

Du hilfst auch mir, meine Krankheit zu tragen.

Schau auf mich und nimm mich an deine Hand.

Schenke mir Geduld und Vertrauen,

stärke mich und richte mich wieder auf.

Du bist ja der Heiland der Kranken.

Dir sei Dank und Ehre heute und alle Tage

und in alle Ewigkeit.

Wenn jemand aus dem Seniorenkreis krank ist

Gott, unser Vater, Frau/Herr … aus unserer Gemeinschaft ist krank. Wir beten für sie/ihn:

V  Du bist die Kraft in ihrer / seiner Schwäche:

A  Sei ihr / ihm nahe!

V  Du bist das Licht in ihrer / seiner Finsternis:

Du bist die Ruhe in ihrer / seiner Ruhelosigkeit:

Du bist der Halt in ihrer / seiner Angst:

Du bist die Hoffnung in ihrem / seinem Dunkel:

Du bist die Geduld in ihrer / seiner Unrast:

Du bist die Hilfe in ihrer / seiner Not:

Du bist das Erbarmen in ihrer / seiner Schuld:

Du bist der Friede in ihrer / seiner Unruhe:

Du bist die Zuversicht in ihrem / seinem Denken:

Gott unser Vater! Nimm unsere/n N. N. in deinen besonderen Schutz und hilf uns, in der rechten Weise für sie/ihn da zu sein. Steh ihr/ihm aber auch allen bei, die um sie /ihn in Sorge sind, und beschenke uns alle mit deinem Segen. Amen.

BIBLISCHE WÜNSCHE

Hörendes Herz

Salomo sprach: Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz! (…) Da antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. (1 Kön 3,9–11)

 

Gott,

ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht!

N. N. ist krank,

du allein weißt,

wohin das noch führt.

Du weißt aber auch,

wie das uns alle,

die Familie, die Freunde,

ja, sogar die Nachbarn belastet.

Ich weiß schon gar nicht mehr,

was ich N. N. wünschen soll,

worum ich dich bitten soll, Gott.

Ich möchte dich einfach bitten:

Nimm N. N. in deine ganz besondere Obhut.

Sei bei ihm mit deiner ganzen Liebe.

Und ich bitte dich:

Schenke mir und uns allen,